Das Wichtigste in Kürze
- Der Mensch hat die ursprüngliche Auenlandschaft stark verändert. Die Aare wurde eingedämmt und Überschwemmungen und Auenflächen wurden seltener. Seit 1990 sind die Auen im Kanton Aargau unter Schutz gestellt und machen heute wieder etwas mehr als 1% der Kantonsfläche aus.
- Die beiden Aareläufe liegen auf unterschiedlichen Niveaus. Der Oberwasserkanal führt das Wasser unter möglichst geringem Höhenverlust zum Kraftwerk Wildegg, wo es anschliessend mit einer Fallhöhe von 14 m turbiniert werden kann.
- Der Unterwasserkanal entspricht dem alten Aarelauf. Er ist naturnaher, führt eine Restwassermenge von ca. 10 m 3 /s und wird bei inzwischen sehr selten auftretenden Hochwasser als zusätzlicher Abflussweg genutzt.
Entstehung und Merkmale einer Auenlandschaft
Seit dem Rückzug der Gletscher nach der letzten Kaltzeit hat die Aare über mehr als 10’000 Jahre hinweg eine Flusslandschaft geschaffen. Durch Seiten- und Sohlenerosion bildeten sich hochwassersichere Terrassen, dazwischen liegt das verzweigte Flussbett mit den periodisch überschwemmten Flächen, den Auen.
Eine natürliche Auenlandschaft ist in stetem Wandel. Unterschiedlicher Wasserstand setzt flussnahe Gebiete zeitweilig unter Wasser, wechselnde Fliessgeschwindigkeit führt zur Bildung, Verschiebung oder zum Verschwinden von Kiesbänken. Die Vegetation setzt sich in Flussnähe meist aus strauchartigen Weiden- und Erlengewächsen zusammen, dahinter finden sich baumartige Erlen, Grauerlen und Ulmen. Erst auf den Terrassen wachsen Eichen und Buchen, beides Baumarten, welche mit den stark wechselnden Feuchtebedingungen im Boden in Flussnähe nicht gut klarkommen.
Die Auenlandschaft im Wandel
Durch Eingriffe in den Flusslauf kamen die Auenlandschaften stark unter Druck. Zwecks Hochwasserschutz und Landgewinnung wurden Flussläufe begradigt und kanalisiert, eingedämmt und befestigt. Die so gewonnenen Flächen konnten für die Landwirtschaft oder Siedlungen genutzt werden. Im Zeitraum von 1833 – 1990 ging die Auenfläche im Kanton Aargau von 4980 ha auf 600 ha zurück. Die nachfolgende Animation veranschaulicht eindrücklich den Wandel, den die Landschaft in den letzten 150 Jahren durch menschliche Eingriffe erfahren hat.
Mit dem Bau des Kraftwerks in den Jahren 1949 – 1953 erfuhr der Aarelauf und die umliegende Auenlandschaft einen substanziellen Eingriff. Die Aare wurde ab Wildegg bis zum Hauptwehr in Bad Schinznach gestaut und teilt sich anschliessend in den künstlich geschaffenen Oberwasserkanal und den als Unterwasserkanal verwendeten alten Aarelauf, durch den eine festgelegte Restwassermenge abgeleitet wird und bei Hochwassern als zusätzlicher Abflussweg für das nicht mehr turbinierbare Wasser dient.
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Das Aufstauen von Fliessgewässern ist ein erheblicher Eingriff in die Dynamik des Abflussverhaltens. Generell erfolgt dadurch eine Verringerung und Vereinheitlichung der Fliessgeschwindigkeit, was dazu führt, dass sich mehr Material ablagert und Abtragung kaum mehr stattfindet. Zudem wird die natürliche Sortierung der Sedimente nach Korngrösse, die von den lokalen Fliessgeschwindigkeiten abhängt, beeinträchtigt oder aufgehoben. Verringerte und ausgeglichenere Fliessgeschwindigkeit führt dazu, dass feinkörniges Material die Flusssohle bedeckt, sich die Verlagerung von Sedimenten auf der Flusssohle und an den Ufern verringert und folglich rohe Kiesböden und Pionierstandorte seltener werden. Ein wesentliches Merkmal einer Auenlandschaft verschwindet.
Aufstauungen und Barrieren behindern auch den Geschiebetransport und können als Hindernisse für die Sedimentbewegung wirken. Dies führt nicht nur zu einem Mangel an Sedimenten für die Ablagerung unterhalb der Barrieren, sondern kann auch dazu führen, dass sich die Flusssohle aufgrund der ausbleibenden Geschiebeablagerungen absenkt, wodurch der Grundwasserspiegel sinkt, was sich wiederum direkt auf die angrenzende Aue auswirkt.
Die Aue wird unter Schutz gestellt
Mit der Annahme der Volksinitiative «Auen-Schutzpark – für eine bedrohte Lebensgemeinschaft» am 6. Juni 1993 erhielt der Kanton Aargau den Auftrag, innert 20 Jahren einen Auen-Schutzpark zu schaffen, der eine Fläche von mindestens 1% der Kantonsfläche entspricht. Heute beträgt die Summe der Schutzpark-Teilflächen längs der Flüsse Aare und Reuss und ihrer Zuflüsse 1611 ha, das sind etwas mehr als 1.1% der Kantonsfläche.
In den Schweizer Auen, die nur etwa 0,3 Prozent der Landesfläche ausmachen, sind erstaunlicherweise rund 40 Prozent aller in der Schweiz vorkommenden Pflanzenarten zu finden. Zudem können 84 Prozent der Schweizer Tierarten in Auen leben und jede achte Tierart ist auf diese Lebensräume angewiesen. Der Auenschutzpark Aargau stellt daher einen bedeutenden Hotspot für den Artenschutz dar. Mehr als die Hälfte seiner Fläche ist in das Verzeichnis der Naturschutzgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen worden.
Die nachfolgende Karte zeigt das Nebeneinander von menschlicher Nutzung und Auenschutz: Intensive Nutzung der Wasserkraft, nicht nur entlang der Flüsse Aare und Reuss, sondern auch an kleineren Fliessgewässern und der Auenschutzpark als unzusammenhängendes Gebiet, welches aus grösseren und kleineren Teilflächen besteht. Besitzverhältnisse und Nutzungsart beeinflussen die Grenzen des Auenschutzparks sehr kleinräumlich, was sich beispielsweise beim Golfplatz von Bad Schinznach zeigt. Zoomen Sie rein.
Die Nutzung der Wasserkraft
Mit einer durchschnittlichen Fallhöhe von 14 m turbiniert das Laufwasserkraftwerk Wildegg Brugg die Wassermassen im Niederdruckbereich und die Engpassleistung von knapp 50 MW macht es zum leistungsstärksten Wasserkraftwerk entlang der Aare. Die dabei produzierte Bandenergie ist relativ konstant, schwankt aber mit dem saisonalen Abflussverhalten der Aare in einem Bereich von +/- 20% der durchschnittlich erzeugten Energiemenge.
Der Energiekonzern Axpo will im Wildischachen in Brugg eine Wasserstoffproduktionsanlage realisieren. Ursprünglich war geplant, dass die Anlage im Frühjahr 2024 den Betreib aufnehmen soll. Wie häufig bei solchen Projekten, haben eine lange Prüfungsphase und Einwendungen zu Verzögerungen geführt. Ende April 2024 wurde der Axpo die Baubewilligung erteilt. Die Bewilligung zur Realisierung des Projekts inklusive direkter Anbindung an das Laufwasserkraftwerk des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) liegt nun ebenfalls vor. Schlussendlich soll die Anlage mit einer Leistung von bis zu 15 MW rund 2000 Tonnen grünen, d.h. in der Herstellung emissionsfreien, Wasserstoff mittels Elektrolyse produzieren. Ein Teil des erzeugten Wasserstoffs soll über eine Leitung direkt zur Tankstelle von Voegtlin-Meyer geliefert werden und somit regionalen Nutzern zur Verfügung stehen. Die entstehende Abwärme aus der Wasserstoffproduktion soll in einem Wärmenetz genutzt werden. Mit den prognostizierten 2000 Tonnen Wasserstoff können jährlich etwa 300 Lastwagen oder Busse betrieben werden, was einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von CO 2 -Emissionen im Strassenverkehr darstellt. Zudem besteht durch die Wasserstoffproduktion die Möglichkeit, elektrische Energie in Zeiten geringerer Nachfrage zu speichern.
