Das Wichtigste in Kürze
- Flachgründige Böden können nur wenig Wasser und Nährstoffe speichern, was das Wachstum der Bäume verlangsamt und zu einem lichteren, weniger dichten Wald führt. Dies ermöglicht jedoch eine reichere Bodenvegetation mit Sträuchern und Blütenpflanzen.
- Der Kanton Aargau bietet ideale Lebensbedingungen für Rehe, was zu einem hohen Rehbestand führt. Dieser verursacht durch Verbiss an jungen Bäumen erhebliche Schäden im Wald, wodurch die natürliche Waldverjüngung beeinträchtigt wird.
- Um den Rehbestand zu regulieren und Waldschäden zu minimieren, werden gezielte jagdliche Eingriffe durchgeführt. Zudem wird die Gestaltung der Waldflächen so angepasst, dass das Nahrungsangebot für Rehe besser verteilt und der Verbissdruck verringert wird.
Flachgründiger Boden - lichter Wald
Im Gegensatz zu den tiefgründigen und darum landwirtschaftlich nutzbaren Böden, welche sich auf den Schotterablagerungen südlich der Habsburg entwickelt haben, ist dieser Waldboden hier sehr flachgründig. Grund dafür ist das Ausgangsmaterial. Bei den Schottern handelt es sich um ein Lockergestein. Die Gesteinsfragmente, aus welchen der Schotter besteht, weisen zusammengenommen eine grösserer Oberfläche auf, als anstehendes Festgestein. Dementsprechend laufen die bodenbildenden Prozesse, insbesondere die chemische Verwitterung, viel schneller ab und es bilden sich tiefgründigere Böden aus.
An diesem Standort ist der Boden nur in Klüften und Spalten einigermassen tiefgründig. Aufgrund der geringen Bodenmächtigkeit ist auch das Wasserspeichervermögen limitiert. Dieses wird nämlich in den Poren, d.h. den Zwischenräumen der Bodenpartikel gespeichert, nicht aber im Festgestein, bzw. ist dort für die Wurzeln der Bäume nicht verfügbar. Zudem ist der Wurzelraum der Bäume auf den flachen Bodenhorizont beschränkt. Sie können sich somit nicht tief verankern. Die geringe Bodenmächtigkeit führt auch dazu, dass die Gesamtmenge der verfügbaren Nährstoffe begrenzt ist. Dies verlangsamt das Wachstum der Bäume und führt zu einem gedrungenen, lichten und weniger dichten Wald.
Durch die Kronen der Traubeneichen, Föhren, Feldahorne und Mehlbeerbäume und von der Seite her fällt viel Licht auf den Waldboden, sodass eine grosse Zahl von Sträuchern, Blütenpflanzen und Sauergräsern gedeihen kann, fast doppelt so viele wie im reinen Buchenwald.
Nebeneinander von Wild und Wald
Wegen des Windes und der guten Sonneneinstrahlung sind Kreten im Winter meist aper. Diese Besonderheit und das reiche Äsungsangebot ziehen die Rehe an. Sie scharren, knappern Knospen und Blätter ab. An weichholzigen Arten, wie Bergahorn oder Weiden, fegen die Böcke ihr Geweih, zerstören deren Bast bis aufs Holz. Eine Naturverjüngung des Waldes ist kaum mehr möglich.
Generell leben im Kanton Aargau sehr viele Rehe. Die Region bietet ideale Lebensbedingungen. Die niedrige Höhenlage und die milden Winter schaffen günstige klimatische Voraussetzungen. Darüber hinaus besteht der Kanton aus einem Mosaik von Wäldern und Kulturland, was den Rehen reichlich Nahrung und Schutz bietet. Zudem gibt es im Aargau kaum natürliche Feinde wie Luchse oder Wölfe.
Darum spielt die Jagd in den Wäldern des Kantons Aargau eine entscheidende Rolle bei der Bestandesregulierung des Wildes und dem Schutz des Waldes. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Regulierung des Rehbestandes, um eine nachhaltige Waldverjüngung sicherzustellen. Rehe sind auf rohfaserarme Nahrung angewiesen, die sie vor allem im Winter in Form von Knospen, jungen Trieben und zarten Blättern von Sträuchern und Bäumen suchen. In übermässigen Beständen führt der Verbiss dieser Pflanzen jedoch zu erheblichen Schäden im Wald, da junge Bäume und Triebe abgefressen werden, bevor sie sich vollständig entwickeln können.
Um ein harmonisches Nebeneinander von Reh und Wald zu ermöglichen, braucht es die Zusammenarbeit der Forstreviere und Jagdgesellschaften. Gestützt auf die Bestandesbeobachtungen und der festgelegten waldbaulichen Ziele, werden im Abstand von zwei Jahren Abschusszahlen gemäss kantonalen Richtlinien festgelegt. Der jagdliche Eingriff soll dabei hauptsächlich auf die jüngeren Rehe (Kitze, Jährlinge und Schmalrehe) abzielen. In diesem Alter ist auch die natürliche Sterblichkeit durch Raubtiere, Krankheiten und Winterverluste am höchsten. Es ist wichtig, dass das Geschlechterverhältnis der erlegten Tiere ausgewogen ist, um ein möglichst natürliches Gleichgewicht zu erhalten. Wenn überwiegend männliche Rehe erlegt werden, kann der Bestand zunehmen. Um den Rehbestand zu verringern, insbesondere bei übermässigen Verbissschäden an jungen Bäumen, sollte der Abschuss vermehrt auf weibliche Tiere konzentriert werden. Durch eine gezielte Jagd entlang gefährlicher und stark befahrener Strassen kann zudem die Zahl der Unfallopfer unter den Rehen reduziert werden.
Die Gestaltung von Waldflächen, die das Nahrungsangebot für Rehe besser verteilen und den Verbissdruck auf bestimmte Baumarten verringern, ist ein weiteres Instrument zur Eingrenzung von Wildschäden. So empfiehlt der Kanton beispielsweise die Anpflanzung und Pflege von neuen Hecken, das Freihalten von Waldbuchten und -lichtungen sowie die Pflege von gebüschreichen Waldrändern, die eine reiche Deckung und Nahrungsquelle für Rehe bieten. Auch sollen Störungen im Wald und in Waldnähe verhindert werden, um schädliche Massierungen der Tiere an ungestörten Stellen zu vermeiden. Durch das Anbieten von bewusst gepflegten Stockausschlägen (nachwachsende Triebe) und Fegestöcken (z. B. Weidenruten) in Verjüngungsflächen wird versucht, die Schädigung der jungen Waldbestände durch das Fegen der Geweihe lokal zu minimieren.
