Klopfplatz, Station 12

GeoWeg Schinznach-Bad — Habsburg — Scherz

Klopfplatz
Das Wichtigste in Kürze
  • Der 2026 neu eingerichtete Klopfplatz bietet die Gelegenheit, Findlingsgesteine genauer zu untersuchen und verschiedene Gesteinsarten kennenzulernen und zu bestimmen.
  • Bei den Findlingen handelt es sich um Gesteine, welche durch Aare-, Reuss- und Rhonegletscher aus dem Aar- und Gotthardmassiv und der Zentralschweiz hierher transportiert wurden.
  • Den Anstoss zu diesem Experimentierfeld gab eine Aktion im Dezember 2022: Einige Findlinge wurden zertrümmert, um sie wegzuräumen. Aus dieser folgenreichen Aktion entstand der Impuls zur Wiederbelebung und umfassenden Aktualisierung des GeoWegs.
  • Auf dem Areal stehen ein Grill und Sitzbänke zur Verfügung. Bitte den Abfall wieder mitnehmen. 
Organisation des Klopfplatzes
Übersichtsplan Klopfplatz

Unzerstörte Findlinge

Hinter den Stelen (Informationstafel) liegen neun Findlinge in originaler Position, wie sie 1991 gesetzt und mit Täfelchen zu Gesteinsart, Alter und Herkunft beschriftet wurden. Die Blöcke sind von Flechten und Moos überwachsen, ihre Oberflächen sind unterschiedlich stark verwittert. Das darunterliegende Gestein ist wenig oder kaum sichtbar. Deutlich wird hingegen, wie der Prozess der Verwitterung die Gesteinsoberflächen im Verlauf von Jahrzehnten verändert. Die unversehrten Blöcke (Nummern 1 bis 9) dürfen sorgfältig betrachtet, aber nicht beklopft werden!

Übersicht unzerstörte Findlinge

Zerstörte Findlinge

Die Findlinge 10 bis 20 wurden 2022 zertrümmert. Die Bruchstücke dürfen untersucht und zerklopft werden. Nachfolgend eine Übersicht:

Übersicht zerstörte Findlinge zum Beklopfen

Kurzbeschreibungen der Gesteinsarten der beklopfbaren Findlinge finden sich hier. Weitere Informationen zum Kreislauf der Gesteine und den Gesteinsklassen erhalten Sie bei Station 18; eine Anleitung zur Gesteinsbestimmung finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Zugang und Verhaltensregeln

Zugang

Den Code zum Öffnen des Werkzeugkastens erhalten Sie durch ausfüllen dieses Formulars. Im Werkzeugkasten finden Sie anschliessend folgende Hilfsmittel zum Beklopfen:

  • Hammer und Meissel
  • Schutzbrille
  • Kurzbeschrieb der hier vertretenen Gesteinsarten
  • Notfallset

Verhaltensregeln

1. Welche Steine dürfen beklopft werden? Die Bruchstücke der Findlinge 10 – 20 dürfen untersucht und beklopft werden. Handgrosse Stücke dürfen mitgenommen werden.

2. Ordnung halten Werkzeuge und Bestimmungstafeln nach Gebrauch reinigen und wieder zurücklegen.

3. Alles wieder verschliessen Werkzeugkasten und Schloss nach Gebrauch sorgfältig schliessen.

4. Sicher klopfen Beim Arbeiten mit Hammer und Meissel gut auf die Finger achten und immer eine Schutzbrille tragen. Die Steine sind teilweise sehr hart und können beim Zerbrechen scharfe, splittrige Bruchstücke bilden.

Gesteinsart der Findlinge bestimmen

Gesteine und ihre Bestandteile unterliegen an der Erdoberfläche der Verwitterung. Dabei verändert sich ihre Oberfläche in Form und Farbe, z. B. durch in Lösung gehende oder oxidierende Mineralien, und schon nach relativ kurzer Zeit ist die Gesteinsart an der verwitterten Gesteinsoberfläche nicht mehr so einfach bestimmbar. Darum betrachten Geolog:innen zur Gesteinsbestimmung im Feld vorzugsweise die frischen Bruchflächen aufgeschlagener Gesteine. Hier am Klopfplatz stehen verschiedene Utensilien zur Verfügung, um die zusammengetragenen Findlinge systematisch zu untersuchen. Mit Hammer und Meissel können Gesteine gebrochen und so frische Bruchflächen geschaffen werden. Mittels Lupen lassen sich die Mineralien besser erkennen und Carbonat kann mittels verdünnter Salzsäure nachgewiesen werden.

Räumliche Anordnung im Gestein

Die meisten Gesteine sind ein Gemenge aus verschiedenartigen Mineralien, deren Zusammensetzung, Korngrösse und räumliche Anordnung für das betreffende Gestein typisch ist. Geolog:innen verwenden einen umfangreichen Kriterienkatalog zur Beschreibung der räumlichen Anordnung im Gesteinsverband und im Handstückbereich. Da die Findlinge als einzelne Blöcke vorliegen, sind sie aus ihrem ursprünglichen Gesteinsverband gelöst, er fällt somit ausser Betracht. Im Handstückbereich lohnt es sich, auf folgende Kriterien zu achten:

Raumfüllung: Sind im Handstück Hohlräume vorhanden? Falls nicht, so wird es als massig bezeichnet, andernfalls als porös. Die Findlinge gehören alle zur ersten Kategorie.

Korngrössen: Wie gross sind die Mineralien im Gestein? Können einzelne Mineralien mit blossem Auge gut erkannt werden (> 5 mm), ist die Bezeichnung grobkörnig zutreffend. Muss eine Lupe zu Hilfe genommen werden ist das Handstück mittel- (1-5 mm) oder feinkörnig (< 1 mm). Unter einer Korngrösse von ca. 0.1 mm können auch mit einer einfachen Lupe die Mineralien nicht als einzelne Körner erkannt werden.

Gefüge: Hier geht es darum, wie die Mineralien im Gestein angeordnet sind. In einem Granit ist die Anordnung meist richtungslos, d.h. die Komponenten sind in allen Raumrichtungen gleich verteilt und ausgerichtet. In einem geschieferten Gestein wie z. B. dem Amphibolitschiefer oder dem Glimmerschiefer sind die Mineralien in einer bestimmten Ebene eingeregelt. Der Gneis unter den Findlingen ist gebändert oder verfaltet, sein Gefüge ist in einer oder zwei Richtungen gestreckt. Sedimentgesteine sind aufgrund der sequenziell wechselvollen (inkonstanten) Ablagerung häufig geschichtet.

Korngrössenverteilung Matrix und Zement: Sind alle Komponenten (Mineralien oder Gesteinsfragmente) ungefähr von gleicher Grösse? Falls ja, so handelt es sich um ein gleichkörniges Gestein. Wenn wie bei der Nagelfluh gerundete Gesteinskiesel von einem feinkörnigen Zement (Matrix) zusammengehalten wurden, so wird die Bezeichnung konglomeratisch verwendet. Bei eckigen Gesteinsbruchstücken in einer feinkörnigen Matrix spricht man von brekziös, wenn die Korngrössen nur teilweise unterschiedlich sind, ist das Handstück ungleichkörnig.

Gesteinsklasse bestimmen

Als erste Herausforderung im Gesteinsbestimmen gilt es, das Handstück aufgrund seiner Bestandteile und Merkmale einer der drei grossen Gesteinsgruppen zuzuordnen ( magmatische Gesteine, Sedimentgesteine und metamorphe Gesteine ). In der Klopfplatz-Sammlung sind alle drei Gruppen vertreten: Granit als magmatisches Gestein, Nagelfluh und Kieselkalk als Sedimentgesteine, Gneis und Amphibolit als metamorphe Gesteine. Nachfolgende Zusammenfassung hilft bei der Zuordnung:

Bestandteile

  • Sedimentgesteine bestehen aus Gesteinsfragmenten wie Sand, Ton oder Kies, aus Bruchstücken von Lebewesen (wie Fossilien) oder aus chemischen Ausfällungen (z. B. Kalkstein durch Ausfällung von Calciumcarbonat).
  • Magmatische Gesteine bestehen aus ineinander verwachsenen Mineralien, die durch das Abkühlen und Erstarren von Magma entstehen. Diese Mineralien sind oft gut kristallisiert und fest miteinander verbunden.
  • Metamorphe Gesteine bestehen ebenfalls aus Mineralien, die jedoch durch Druck und Temperatur umgewandelt wurden. Diese Mineralien können durch Rekristallisation neu angeordnet oder neu gebildet werden.

Merkmale

  • Sedimentgesteine zeigen häufig eine deutliche Schichtung oder Bänderung, die durch die Ablagerung von Sedimenten in unterschiedlichen Schichten über die Zeit entsteht. Die Körner oder Fragmente sind oft locker verbunden oder verfestigt.
  • Magmatische Gesteine zeigen keine Schichtung oder Ausrichtung der Mineralien, sie sind richtungslos. Die Textur kann grobkörnig sein, wenn das Gestein langsam unter der Erde abkühlt (z. B. Granit), oder feinkörnig bis glasig, wenn es schnell an der Oberfläche abkühlt (z. B. Basalt oder Obsidian).
  • Metamorphe Gesteine zeigen oft spezielle Texturen wie Schieferung, bei der die Mineralien in eine bestimmte Richtung ausgerichtet sind. Dies kann zu einer bandartigen Struktur führen (z. B. bei Gneis) oder zu einer schieferartigen Struktur (z. B. bei Schiefer).

Gesteinsbildende Mineralien

Wenn die Zuordnung zu einer der drei grossen Gesteinsgruppen "geschafft" ist, kann genauer auf die einzelnen Komponenten des Handstücks eingegangen werden. Bei magmatischen, metamorphen und teilweise auch Sedimentgesteinen stehen die gesteinsbildenden Mineralien im Fokus. In den Findlingen hier sind die folgenden anzutreffen:

Quarz

Quarz, chemisch Siliziumdioxid, ist bezüglich seiner Eigenschaften Glas sehr ähnlich. Vor allem die Durchsichtigkeit, der glasige bis fettige Glanz und der muschelige bis splittrige Bruch sind offensichtliche Ähnlichkeiten. Die hohe Ritzhärte (Härte 7) hilft zudem bei der Identifizierung (Kratztest). Farbvariationen entstehen durch kleinste Beimengungen fremder Elemente (z. B. Rauchquarz, Rosenquarz).

Feldspat

Feldspäte machen den Grossteil der Mineralienmasse der Erdkruste aus. Wer Quarz und Feldspat sicher erkennt, ist in der Lage, über zwei Drittel aller Gesteine zu entschlüsseln. Im Unterschied zu Quarz zeichnen sich Feldspäte durch ihre Eigenfarbe – sie kann je nach chemischer Zusammensetzung von weiss über gelblich bis zu rosa oder grünlich variieren – und das Bruchverhalten entlang klarer Spaltflächen aus.

Glimmer

Glimmer bestehen aus dünnblättrigen schuppenförmigen Kristallen. Hervorstechende Eigenschaft der Glimmer ist damit eine perfekte Spaltbarkeit in eine Richtung, was sich darin zeigt, dass die dünnblättrigen Lagen gut voneinander getrennt werden können. Für die Gesteinsbetrachtung im Feld genügt es, zwischen zwei Sorten von Glimmer zu unterscheiden: Biotit und Muskovit (Hellglimmer).

Beim Biotit verursachen Eisenbestandteile die dunkle Färbung. Zusammen mit Quarz und Feldspat macht Biotit die hier vorgefundenen Granite aus. Muskovit ist hell und glänzt silbrig. Wenn die Schuppen des Muskovits dünn genug sind, erkennt man, dass das Mineral eigentlich farblos und durchsichtig ist. (Es wurde in vorindustrieller Zeit teils auch als "Fensterglas" verwendet.)

Nahaufnahme Biotit-Granit. Gut zu erkennen sind die klaren Bruchflächen der Feldspäte (1). Bei den dunklen Bestandteilen handelt es sich um Biotit (3), der Quarz erscheint hier leicht rötlich (2).

Amphibole und Pyroxene

Mineralien dieser Gruppe bilden dunkle, meist schwarze, prismatische Kristalle aus. Die Unterscheidung im Gelände ist schwierig, meist wird der unterschiedliche Winkel zwischen den Spaltflächen herangezogen. Für Hobbygeolog:innen reicht die Erkenntnis, dass es sich um dunkle Komponenten handelt, welche im Gegensatz zum Biotit härter sind und in Stäbchenform vorliegen. Am weitesten verbreitet sind amphibolführende Gesteine in der Schweiz im Gotthard- und Aarmassiv, die entsprechenden Findlinge an diesem Ort wurden also durch den Aare- oder Reuss-, nicht aber durch den Rhonegletscher transportiert. Der im Klopfplatz vertretene Amphibolit ist so feinkörnig, dass die einzelnen Mineralien auch mit einfacher Lupe nicht erkennbar sind.

Tonminerale

Tonminerale sind winzig, per Definition kleiner als 0,002 mm. Sie bilden den Ton, und ihre Eigenschaften sind nur im Kollektiv erkennbar. Ihre Kristallstruktur bringt eine sehr grosse innere Oberfläche mit sich, die (bei quellbaren TM) für eine hohe Haftwassermenge verantwortlich ist. Die Quellfähigkeit der Tonminerale ist ein wesentlicher Grund, wieso Tongestein (Opalinuston) als geologische Barriere bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle verwendet wird. Im Gelände hilft ein einfacher Test bei der Erkennung der Tone: feuchte Tone sind hoch plastisch und können gut zwischen den Fingern ausgerollt werden. Auch im Boden sind Tonminerale von grosser Bedeutung, denn neben Wasser können verschiedene Kationen (positiv geladene Ionen) an die Tonblättchen angelagert werden, was tonreiche Böden sehr fruchtbar macht.

Calcit und Dolomit

Calcit ist das bedeutendste, nicht siliziumhaltige Mineral. Es zeigt in Verbindung mit verdünnter Salzsäure eine aufbrausende Reaktion, ist mit dem Messer ritzbar (Härte 3) und hat eine gute dreidimensionale Spaltbarkeit. Im Gegensatz dazu reagiert der magnesiumhaltige Dolomit erst in pulverisierter Form mit verdünnter Salzsäure, da er weniger säurelöslich ist und die Oberfläche für den Ablauf der Reaktion erst vergrössert werden muss.

Anhydrit und Gips

Anhydrit ist ein sedimentäres Mineral. Es ist im Gesteinsverband an der Erdoberfläche nicht vertreten, da sich Anhydrit im Kontakt mit Wasser zu Gips umwandelt. Im Unterschied zu Gips ist Anhydrit härter und zeigt im Gegensatz zu Calcit keine Reaktion auf Salzsäure. Gips ist feinkörnig und erscheint im Gestein meist weiss oder grau. Die weisse Farbe ist bei allen Mineralien charakteristisch für ein farbloses Mineral, das in einem Gefüge mit vielen Korngrenzen undurchsichtig wird (wie ein zerbrochenes Glas). Grau wird das Gipsgestein, wenn es mit Tonmineralen vermischt ist. Gips ist zudem sehr weich, es lässt sich mit dem Fingernagel ritzen.

Von der Gesteinsklasse zur Gesteinsart

Mit der Kenntnis der Gesteinsklasse und der gesteinsbildenden Mineralien kann letztendlich die Gesteinsart bestimmt werden. Für die Klopfplatz-Sammlung hilft die nachfolgende Zusammenfassung oder die Übersicht über die Festgesteine entlang des GeoWegs.

  • Biotit-Granit: massig, mittel- bis grobkörnig, richtungslos, bestehend aus Feldspat, Quarz und Biotit.
  • Gneis: massig, mittel- bis feinkörnig, Mineralien sind gestreckt oder verfaltet, bestehend aus Feldspat, Quarz, Biotit (teilweise auch Muskovit) und Hornblende.
  • Amphibolit: massig, feinkörnig, richtungslos, bestehend aus Quarz, Feldspat und Hornblende.
  • Kieselkalk: massig, feinkörnig, richtungslos,
  • Nagelfluh: massig, konglomeratisch, richtungslos, aus unterschiedlichen Gesteinsfragmenten bestehend.

Nachfolgend finden Sie Informationskarten zu den beklopfbaren Findlingen. Sie finden diese auch am Klopfplatz in laminierter Form oder hier zum Herunterladen.